Enable the Crowd – €92k und 53 aktive Fürsprecher #yes

Gestern Abend, 8pm MEZ, ging unser erstes Crowd-Investing zu Ende und rückblickend fragen wir uns ein wenig, warum wir darauf nicht früher gekommen sind! Vielleicht, weil die Szene sich gerade erst konsolidiert, vielleicht, weil so richtig eigentlich bis vor kurzem noch niemand Bescheid wusste über die rechtlichen Rahmenbedingungen, die richtige Strategie und die öffentliche Wirkung* des Schrittes aus dem Startupkeller ins Stirnlampenlicht der Goldminensucher aka Privatinvestoren.  

Crowd-Investing ist Micro-Investing und es unterscheidet sich in einem ganz wesentlichen Punkt vom Crowd-Funding: beim Investing erwerben die Bieter Unternehmensanteile in stillen Teilhaberschaften, sie werden zu Gesellschaftern der Firma und können mit kleinen Investitionen im Bereich von etwa 1.000 bis 10.000 Euro junge Unternehmen mitfinanzieren. Die Hoffnung, die solchen Investitionen zugrunde liegt, bezieht sich natürlich auf die zu erwartenden Wertzuwächse, die ein Unternehmen in seiner Bestehensdauer generiert. Das kann ganz einfach ein erfolgreiches, skalierendes Geschäftsmodell mit entsprechenden Umsätzen und Renditen sein oder aber ein sogenannter Exit, bei dem … sagen wir Apple Inc. herkommt und sagt: “Mensch, die könnten auf die Dauer gefährlich werden und uns entscheidende Marktanteile wegnehmen, deren Reader ist so großartig, dass die Leute einen Bogen um iBooks machen werden, die müssen wir kaufen. Sagen wir, für 356 Mio. USD oder einen vergleichbaren Betrag. Alle, die sich ein kleines Stück PaperC gekauft haben, als PaperC noch 2,6 Mio. wert war, klatschen begeistert in die Hände, der Fiskus erfreut sich einer saftigen Exportschlagerprämie und ein weiterer Stein pflastert den Weg nach Monopolville. Im Nachgang werden die Gründungsmitarbeiter entlassen um sie durch erfahrene Manager zu ersetzen –  finanziell ist das okay, weil sie ja auch kleine Anteile halten, unternehmensethisch und hinsichtlich der Motivationskurve im Restteam hat sich das oft als fatal erwiesen.

Zurück zum Micro-Investement: vorbehaltlich irgendwelcher unvorhersehbarer Ereignisse haben wir jetzt 53 neue Gesellschafter und einen alten, die PaperC mit insgesamt 92,5k (100k abzgl. Provision Innovestment) unterstützen.

Der eigentliche Benefit dieser Form der Investorensuche liegt aber eine Schicht tiefer: Mit all diesen Personen und Personengruppen sind lange eMail-Konversationen oder Telefonate erfolgt, nahezu jedem Investment liegt die Entscheidung zugrunde, das große Risiko im Glauben an die mediale Revolution einzugehen und PaperC mit KnowHow, Expertise und Fürsprache zu Unterstützen. Viele der Investoren haben nicht nur ein finanzielles Interesse an PaperC bekundet sondern darüber hinaus ethische Ansprüche wie barrierefreien Zugang zu Bildungsmedien, eine transparentere Wissenschaftslandschaft und schließlich die Freiheit von Autoren in der Wahl des Publikationsweges bekundet. Hier tut sich für uns ein bisher noch völlig neuer Zweig auf, den wir ab kommendem Jahr verfolgen wollen: Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung, PaperC als Aggregator und Open Access Plattform für Fachtexte, Blogbeiträge und kooperierende Universitäten. Doch das wird ein ganz neues Blogpost und es wird heißen: “Reich werden wir davon nicht aber wir können zufrieden schlafen”.

In diesem Sinne, allen Interessenten und Investoren herzlichen Dank für Ihre Vorschläge, Ihr Feedback, die vielseitige Unterstützung und das Mutmachen, auch wenn’s manchmal etwas länger dauert. Schließlich haben wir nichts geringeres vor als die totale Fachbuchrevolte an deren Ende Produzenten und Konsumenten von Fachcontent einander happy die Hände reichen.

Warum nur €100.000?

Crowdinvesting über €100.000 sind in Deutschland prospektpflichtig (§8f, Abs. 3 VerkaufsProspektGesetz), d.h. bislang dürfen Investitionen in Unternehmen nur bis zu einer Grenze von €100.000 stattfinden, sofern für das Investitionsprojekt keine Prospektpflicht und somit auch keine Prospekthaftung bestehen soll. Die projekthostende Plattformen müsste eine Banken-Lizenz (BaFIN-Akkreditierung) haben, um mehr einsammeln zu dürfen und die Kosten für Verkaufsprospekt liegen bei mindestens 12.000€ und ziehen 30 Jahre Prospekthaftung nach sich.

FAQ für Investoren

*Zu den paar lästerlichen, ober-skeptischen und manchmal vielleicht auch neidischen Stimmen, die für jedes Unternehmen, vor allem aber für eines in einer Finanzierungsrunde eine große Gefahr darstellen können, sicherlich mal an anderer Stelle. Wir haben zu jedem Zeitpunkt, auch öffentlich, so transparent als irgend möglich kommuniziert und sind damit hart am Wind gesegelt – aber dazu, wie gesagt, lieber in einem gesonderten Post, die Stimmung ist grad so gut hier.

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