Der neue Amazon Kindle als werbefinanzierte Niedrigpreisvariante? Message to our Publishers.

Die anhaltenden Kundennickelichkeiten sowie das allgemeine Drehmoment im Endgerätemarkt ließen uns die Präsentation der nächsten Generation Kindle seit Wochen eigentlich täglich erwarten. Und nun ist es eben soweit: Im schönen Santa Monica, Kalifornien, wird am Morgen des 6. September auf der jüngst angekündigten Pressekonferenz wahrscheinlich genau das passieren!
Bei den Buchmachern rangiert ein neuer Kindle Fire auf #1, dicht gefolgt von einem e-ink Kindle mit Beleuchtung, eventuell mit einer Kamera. Weiterhin verhandelt werden “endlich auch Bluetooth” und ein vom Kindle Touch ausgeborgter Touch Screen, außerdem unterschiedliche Speicherkapazitäten (8GB oder 16GB) und (eieiei..) richtig echte Lautstärkeeinstellungsknöpfe! Endlich! Waren ja auch fürchterlich, diese Regler auf der Benutzeroberfläche! Das Ganze dann vielleicht zu den gegenwärtig veranschlagten $79 – alles sehr spannend.

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Viel spannender

finde ich allerdings die mehr so in Nebensätzen, klugen Blogkommentaren und heimlichen Intranet-Chats besprochene Möglichkeit einer subventionierten Kindle-Variante zum ganz besonders günstigen Preis. Umsonst oder so. Das würde dann eine ganze Menge zusätzlichen Staub aufwirbeln (schönes Bild eigentlich angesichts des digitalen Oberflächenglanzes):

Amazon launched also nicht mehr nur ein tolles Gerät nach dem anderen zum “wettbewerb”fähigsten Preis, sondern unterhält auch noch das größtmögliche eBook-Angebot (neben allem, was man in egal-welcher-Lebenslage sonst noch so brauchen kann) und bietet auf seiner Plattform den mit Abstand besten Service: Single-Click-buy, unübertroffen hilfreichen Kundendienst per Sofort-Chat und die multimediale Flatrate für Prime-Nutzer inklusive gebührenbefreiter Kreditkarte, kostenlosem Versand usw. usf. Guten Morgen auch schön, wir gucken mal auf die Agenda:

  • 2009: content first (Häkchen)
  • 2010: service first (Häkchen)
  • 2011: mobile first (Häkchen)
  • 2012: Datensammeln first .. hmmmmm?

Was würde ich machen, wenn ich fast alle verfügbaren Medien, ein funktionierendes, preislich und auch sonst recht unangefochtenes Gerät, das größte Kuchenstück vom Markt und dazu einige Millionen Kunden hätte (die freiwillig die von mir gepresste Kreditkarte nutzen und mir so ein paar Milliarden auswertbarer Daten zuspielen, weil sie dann ein paar Paybackpunkte sammeln)? Ich würde die Daten sammeln und nebenbei einen noch besseren, noch billigeren Reader bauen – und dann dafür sorgen, dass jedes Buch mit dem Schlagwort “Hochzeit” gleich eine Werbeanzeige bekommt für … sagen wir mal einen … Fruchtbarkeitstest. Immer gesetzt den Fall, Kunde ist weiblich, zwischen 20 und 40, aus einem nicht muslimischen Land und heterosexuell. Das wüsste ich nämlich dann alles. Und damit lässt sich Geld verdienen. Viel Geld. Am Ende genug, um nicht nur das Gerät zu verjubeln, sondern den Content gleich mit – und das subventioniert. Na herzlichen Glückwunsch den traditionellen Verlagen und Buchhandlungen! Während man in Deutschland noch nicht einmal Werbung in ein Buch “drucken” darf, schmeißt Amazon die Werbung einfach in den Reader und baggert gleichzeitig noch an den Autoren rum, damit nicht etwa noch ein paar Prozente vom Umsatz auf den Umwegen der verlegerischen Qualitätssicherung verloren gehen.

Wenn ich all das zusammenrechne und dann aus vielen Verlagen höre, dass sie “60% der Umsätze mit Amazon” machen, “sich das aber grad echt unangenehm entwickelt, also desaströs geradezu”, dann frage ich mal andersrum: Entwickelt sich das nicht grad unangenehm bis desaströs, weil alle 60% mit Amazon machen? Möglicherweise. Aber auf den Buchmessen schmeckt der Wein und munden die Snacks und alle sind … naja, eben toll.

Die nächste Messe steht ins Haus, es gibt unglaublich viel zu tun und wir sind mittendrin. Auf diversen Podien diskutieren die PaperCs  in Richtung “eBook-Flatrate mit Werbung und Open Access”, “alternative Bezahlmodelle Leistung-gegen-Content” und “accessible content”, also eBooks zum selber enhancen. Wir machen das, weil es dran ist – und weil Amazon (und für Insider: Spotify) uns zeigen, was geht. Lasst uns reden, die nächste Messe steht ins Haus.

Mailto: Katja.splichal@paperc.de

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