Wohin geht die Reise #III für (type:g) publishing
Interviewreihe mit Protagonisten im eBook-Markt

Wir bei PaperC arbeiten mit über 100 Wissenschafts- und Fachverlagen zusammen, die in Bezug auf ihre Ausrichtung, ihre Größe und demnach auch auf mögliche Investitionsvolumina verschiedener kaum sein könnten. Doch in jedem dieser Häuser werden Erfahrungen gemacht, Ideen geboren, Probleme gewälzt und in Herausforderungen umgewandelt, Experimente mit neuen Formaten und Editionsformen lanciert und große Anstrengungen unternommen, den Digitalisierungsprozess mit zu gestalten und statt seiner Bedrohlichkeit zu erliegen von seinen Benefits zu profitieren:

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Ein Hundetrainer schreibt nicht naturgemäß auch gute Bücher über Hundetraining, aber ein gutes Buch über die Arbeit mit Hunden kommt in aller Regel von einem Hundetrainer oder einer Trainerin. In der Musik sind die Zusammenhänge von Fachkenntnis, Verwurzelung im und Liebe zum Metier sowie der schlichten Fähigkeit, das Gemeinte auch wiedergeben zu können noch eindeutiger, aber auch einfacher: entweder kann man Noten schreiben oder nicht.

Andreas Großkopf kann es und obwohl er keiner werden wollte, ist der Musiker heute auch Verleger und Autor – wieso?
Im Verlagswesen ist (type:g)publishing recht neu. Zwar arbeiten wir als Musikverlag schon seit ca. 5 Jahren und lizenzieren in diesem Geschäftsfeld Musik verschiedenster Stilrichtungen für Film, Fernsehen, Werbung und sonstige Verwertungsmöglichkeiten. Im Bereich der Buchpublikation sind wir so richtig erst in diesem Jahr 2012 eingestiegen. Die Idee die dahintersteht war ursprünglich, insbesondere durch unsere Songbooks weiter Aufmerksamkeit auf die jeweilige CD-Produktion zu lenken. Jedoch hat sich herausgestellt, dass hier wirklich Bedarf besteht und sich so für (type:g)publishing ein weiteres Standbein erschließen lassen könnte. Das Lehrbuch “Groove Horns” habe ich bereits vor einigen Jahren in Form einer CD-Rom im Eigenverlag/-vertrieb veröffentlicht und verkauft. Die E-Book-Version bietet aber hier natürlich noch ganz andere und vielfältigere Möglichkeiten: Alle unsere Publikationen werden in drei Varianten angeboten a) E-Book; b) Printversion inklusive Code zum Download einer Albumproduktion unseres Labels (type:g)records und c) Deluxe-Version (Printversion plus CD in physischer Form). Darüberhinaus natürlich der weltweite Vertrieb, kostengünstig und schnell.

Die etablierte Musikbranche ist in den letzten Jahren schwer gebeutelt worden und hat schmerzhafte Blessuren davongetragen, bevor sich neue Geschäftsmodelle finden, umsetzen und monetarisieren ließen oder, wie bei (type:g) das bestehende erweitert werden konnte – ist Digitalisierung für Sie mittlerweile  Segen oder Fluch? 
Im Verkauf von Musik (Alben und CDs) haben wir mit unserem Label sehr gute Erfahrungen mit Downloads, eben mit der Digitalisierung gemacht. Ich sehe insbesondere im Bereich der Publikation von Noten und Musiklehrbüchern hier auch gute Chancen. Segen.

Sie kennen beide Lager – was haben Sie gelernt? 
Die von PaperC angebotene Möglichkeit, neben dem Download des E-Books einzelne Seiten und Kapitel herunterzuladen, sind besonders für unsere Songbooks interessant. Man muss eben als Kunde, wie beim Kauf von Musikdownloads nicht mehr das ganze Album kaufen, nur weil einem drei Songs gefallen. Beim Songbook ist es doch ähnlich: ich kaufe nur die Songs, die ich auch wirklich spielen will. Bei Lehrbüchern verhält es sich genau so: Wie oft habe ich mir Musiklehrbücher gekauft und am Ende waren ein Drittel davon für mich von Interesse.

Sehr nutzerseitig gedacht, würde ich sagen! Wie geht es weiter? 
In Zukunft werden wir weiter hauptsächlich Lehrbücher und Songbooks anbieten. Aber auch um den Bereich der Arrangements für diverse Besetzungen (Trio, Quartett bis hin zur Big Band) möchten wir unser Angebot erweitern. Ich denke, dass speziell im Segment des Notendrucks, der Notenpublikation die Nachfrage nach Downloads wachsen wird. Vielleicht gibt’s ja demnächst keine Notenständer mehr, sondern nur noch Stative für iPads und eBook-Reader? Solche Ideen werden geboren, wenn der direkte Draht zum Kunden besteht, wenn deren Wünsche und Anregungen als wertvoll erachtet werden: Marketing über Social Media beispielsweise, ist bei (type:g) nicht mehr wegzudenken. Die Möglichkeiten, die sich hier erschließen, sind unerschöpflich. Besonders im Musikbereich und in der Musikpädagogik werden Enhanced eBooks immer wichtiger: auf die Möglichkeit, das zu erlernende Material in Noten, Bild und Ton jederzeit zur Verfügung zu haben und im eigenen Lerntempo abspielen zu können, darauf möchte und muss wohl in Zukunft keiner mehr verzichten. Auch für (type:g)publishing wäre die Möglichkeit, Enhanced eBooks in Form von Downloads oder auch per Stream anbieten zu können ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Zukunft!

Bei (type:g) ist das Angebot aus der Nachfrage entstanden, aber auch ein Bisschen aus der Not: digitale Publikationen lassen sich sehr kostengünstig in alle Welt “verschiffen”, benötigen kein physisches Lager und sind hervorragend ohne Qualitätsverlust reproduzierbar: alles prima, oder? 
Schon, Stolpersteine sehe ich momentan auch nur darin, dass der Kunde im Bereich der Notenpublikation und den Kauf von Noten noch gar nicht an Downloads gewöhnt ist. Wenn Sie einmal das Internet nach entsprechenden Angeboten, wie unserem Verlagsangebot in eBook-Form durchforsten, werden Sie schnell merken, dass es hier noch kein wirklich breites Angebot gibt….was natürlich auch eine Chance für (type:g)publishing bedeutet!

Wir brauchen also ein wenig Lobbyarbeit fürs eBook, richtig? Was halten Sie von dem Projekt ProtoTYPE, mit dem wir uns unter anderem erhoffen, eine größere Öffentlichkeit für digitale Publikationen zu gewinnen?
Das Projekt ProtoTYPE finde ich extrem interessant. Die Musikindustrie, insbesondere die großen Plattenfirmen haben sich Innovationen gegenüber immer verschlossen und haben seit einigen Jahren nun die Konsequenzen zu tragen, verhindern aber durch ihre Haltung auch ganz oft Neuerungen. ProtoTYPE kann durch seine Arbeitsweise und Art, wie Innovationen und Ideen behandelt werden, dazu beitragen, dass Branchenriesen im Buchhandel/-verlagswesen positive Aspekte für sich sehen und die Umsetzung befördern, kleine Mitbewerber gleichzeitig durch die geförderten Innovationen gute Arbeit leisten können und sich am Markt behaupten.

Ich danke Ihnen sehr herzlich, Herr Großkopf – man sieht sich in Leipzig!!

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