“Unsere Vision ist, Wissen frei zugänglich zu machen”

Welcher Student hat nicht schon einmal ein halbes Buch kopiert, weil sich auf ein paar Seiten wichtige Informationen versteckten? 100 Millionen Euro geben deutsche Studenten jährlich für Kopien von Fachbüchern aus, schleppen sie in Stapeln durch die Gegend und werfen so manche davon wieder ungelesen weg.

Eine Verschwendung von Ressourcen und umständlich dazu, fanden die Wirtschaftswissenschaftler Martin Fröhlich und Felix Hofmann. Hofmann schrieb gerade seine Diplomarbeit, pendelte zwischen Berlin und St. Gallen und hatte selbst schwer an Fachliteratur zu schleppen.

Im digitalen Zeitalter müsste sich die Arbeit mit Fachliteratur doch anders gestalten lassen, dachten sich Fröhlich und Hofmann und entwickelten zusammen mit dem 22-jährigen Programmierer Lukas Rieder die Idee zu PaperC, kurz für “Pay-Per-Copy”: Eine komfortable Online-Bibliothek, die gleichzeitig als Arbeitsplattform und “virtueller Copyshop” genutzt werden kann.

Der Clou an PaperC: Alle Bücher der Plattform kann man komplett kostenlos lesen, und zwar von der ersten bis zur letzten Seite. “Unsere Vision ist, Wissen frei zugänglich zu machen”, sagt Martin Fröhlich.

Damit liegt das Startup auf einer Linie mit der Open-Access-Bewegung, die den demokratischen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur fordert. Wer sich bei PaperC anmeldet, kann sofort alle Fachbücher auf der Plattform durchstöbern und muss nichts dafür zahlen.

Das geht, weil PaperC auf ein Freemium-Modell baut. “Wir bieten bestimmte Inhalte kostenfrei an, schaffen aber auf unserer Plattform weitere Premium-Funktionen, die für unsere Nutzer einen Mehrwert darstellen”, erklärt Fröhlich.

Konkret funktioniert das so: Das Lesen und Durchsuchen der Bücher im Volltext ist kostenlos. Wer sich bestimmte Stellen und Zitate ausdrucken, abspeichern oder markieren möchte, zahlt 10 Cent pro Seite. Wie er seine Literatur verwaltet, kann jeder Nutzer selbst entscheiden: Wer lieber etwas in der Hand hat, druckt sie sich aus. Wer dagegen viel unterwegs ist, kann mit einer virtuellen Bibliothek arbeiten, die er von überall her abrufen kann.

Zur Zeit bietet PaperC rund 1500 Fachbuchtitel, täglich werden es mehr. Mittlerweile stellen 17 Fachverlage ihre Bücher auf PaperC zur Verfügung, mit weiteren Verlagen wird verhandelt.

Was macht PaperC für Verlage attraktiv? “Wir bieten Verlagen ein Modell, mit dem sie im Internet Geld verdienen können”, sagt Felix Hofmann. Mit 10 Cent ist die Seite bei PaperC kaum teurer als in vielen Copyshops. Die Hälfte davon geht an den Verlag, die andere Hälfte an PaperC. Damit verdienen die Verlage fünfmal mehr als über Kopien an Kopiergeräten. Gerade einen Cent erstattet die VG Wort den Verlagen pro kopierter Seite pauschal zurück.

Das Konzept des jungen Startups aus Berlin überzeugte auch die Jury des AKEP-Awards, den der Börsenverein des deutschen Buchhandels jährlich an innovative Projekte im Bereich elektronisches Publizieren vergibt. PaperC wurde als zukunftsweisendes Projekt im Bereich B2C (Business to Consumer) ausgezeichnet. Für die Wirtschaftswoche ist PaperC eines der 30 Top-Startups, das Handelsblatt hält das Konzept für “eine kleine Revolution”.

Dank eines sechsstelligen Investmentes des Technologiegründerfonds Sachsen kann PaperC seine Plattform jetzt weiter auszubauen. Das PaperC-Team hat große Pläne: Im nächsten Jahr soll die Plattform auch in englischer Sprache online gehen.

Icon Share Share